WAS UNS BEWEGT, Teil 5: Dieses Mal haben wir ein echtes Original vor den Vorhang geholt. Man ist geneigt zu sagen: Peter Schneider kennt man in Tirol – zumindest in Innsbruck. Dieser Mann hat viel zu erzählen. ;-)

Wenn Peter Schneider morgens seinen Kaffee trinkt, beginnt für ihn mehr als nur ein neuer Tag. Es ist Teil einer festen Routine und genau diese geben dem 55-Jährigen Struktur. Peter hat das Asperger-Syndrom, eine Form aus dem Autismus-Spektrum. Veränderungen können herausfordernd sein, aber zugleich bringt seine Art zu denken besondere Stärken mit sich: ein erstaunliches Talent fürs Kopfrechnen, ein gutes Gedächtnis für Details und eine Leidenschaft für Themen, die ihn wirklich interessieren. Und eines davon ist seit vielen Jahren der Sport.
Aufgewachsen ist Peter in Hötting, einem Stadtteil von Innsbruck, der fast schon dörflichen Charakter hat. Sein Trainer beschreibt ihn als „Höttinger Original“. In Höttingen greift das Ringen auf eine lange Tradition zurück. „Mein Nachbar hat gerungen, mein Bruder auch“, erzählt er. Mit acht Jahren begann Peter selbst zu ringen. Schon früh war er von diesem Sport umgeben, und der kämpferische Geist, den er dabei entdeckte, begleitet ihn bis heute.
Auch zum Skifahren konnte ihn sein Vater früh begeistern. Gemeinsam gingen sie im Winter auf die Pisten, in Tirol fast selbstverständlich. „Als Tiroler gehört Skifahren einfach dazu“, meint Peter mit einem Lächeln. Auch heute fährt er noch selbstständig Ski. Bewegung und Zeit in der Natur sind für ihn ein wichtiger Ausgleich. Unterwegs in den Bergen oder bei einem Spaziergang in der frischen Luft steigt seine Laune, und eine Tasse Kaffee gehört dabei fast immer dazu.
Sport hat Peter immer fasziniert, eigentlich fast jede Sportart. Basketball sei nur nicht so seine Disziplin – „mit meiner Größe wird das wohl schwierig“, meint er schmunzelnd. Stattdessen fand er schließlich seine sportliche Heimat im Fußball.
Seit rund elf Jahren spielt Peter bei den Innsbrucker Kickers. Die Mannschaft ist Teil eines inklusiven Sportprojekts und bietet Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen die Möglichkeit, gemeinsam Fußball zu spielen. Für Peter ist das Team längst mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Es ist ein Ort der Gemeinschaft, ein Platz, an dem er dazugehören kann.
Auf dem Spielfeld übernimmt er meist die Rolle des Verteidigers. Technische Finessen stehen bei ihm nicht im Vordergrund, dafür aber etwas anderes: unermüdlicher Einsatz. Sein Trainer beschreibt ihn als Spieler, der niemals aufgibt. Selbst wenn er einmal zu Boden geht, versucht er noch, den Ball weiterzuspielen. Dieser Kampfgeist macht ihn zu einem wichtigen Teil der Mannschaft.
Auch als Fußballfan zeigt Peter klare Loyalität. Er identifiziert sich stark mit dem Innsbrucker Traditionsverein FC Wacker Innsbruck. Diese Verbundenheit gehört für ihn genauso zum Fußball wie das eigene Spiel auf dem Platz.
Doch nicht nur Fußball begeistert Peter. Generell interessieren ihn Sport und Bewegung in all ihren Facetten. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Bergisel in Innsbruck, wo er einmal Teil der Trettmannschaft bei einem Skisprung-Event war, ein Erlebnis, auf das er bis heute stolz zurückblickt.
Trotz mancher Herausforderungen im Alltag hat Peter seinen eigenen Weg gefunden. Autofahren ist, wie er selbst erwähnt, ein Ding der Unmöglichkeit, und in ungewohnten Situationen fällt ihm Orientierung manchmal schwer. Dennoch meistert er vieles selbstständig, sei es Ausflüge in die Natur, Skitage oder Treffen in der Stadt.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Peter Schneider ausmacht: ein Mensch mit klaren Routinen, viel Leidenschaft für Bewegung und einem unerschütterlichen Willen, dranzubleiben. Ob früher auf der Ringermatte, auf der Skipiste im Winter oder heute als Verteidiger bei den Innsbrucker Kickers, Peter zeigt, was Sport für Menschen bedeuten kann. Bei den Sommerspielen 2026 in Wien wird Peter Schneider gemeinsam mit den Innsbrucker Kickers auflaufen und sicher für ganz viele Gänsehautmomente sorgen.
Text: Maria Bonaccorso




