WAS UNS BEWEGT, Teil 9: Maria Malle ist 24 Jahre alt, lebt in Villach und hat etwas gefunden, wonach viele Menschen ihr ganzes Leben suchen: einen Ort, an dem sie ganz sie selbst sein kann. Einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommt, Vertrauen spürt und auch ohne viele Worte verstanden wird. Für Maria sind das die Pferde – sie geben ihr Halt, Orientierung und ein Gefühl von Ankommen.

Schon mit sieben Jahren sitzt sie zum ersten Mal im Sattel. Was damals spielerisch beginnt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu etwas, das ihr Leben prägt. „Sie verstehen alles“, sagt sie leise. Über die Jahre wächst nicht nur ihre Erfahrung, sondern auch eine tiefe Verbindung. Maria hat ein feines Gespür für die Tiere entwickelt. Sie erkennt kleinste Signale, liest Körpersprache, reagiert ruhig und bedacht – selbst in Situationen, die andere verunsichern würden.

In Villach lebt sie in ihrer eigenen Wohnung und bekommt zweimal pro Woche Unterstützung. Trotz einer leichten kognitiven Beeinträchtigung meistert sie viele Dinge selbst, vom Haushalt bis zur Wäsche und den täglichen Abläufen.

Von Montag bis Freitag arbeitet Maria bei Horsense, einem gemeinnützigen Verein in Kärnten, der sich auf therapeutisches Reiten spezialisiert hat und als Reit- und Voltigierschule anerkannt ist. Der Fokus liegt dort auf Inklusion, Reitunterricht und der Förderung der Mensch-Pferd-Beziehung. Für sie ist dieser Ort weit mehr als ein Arbeitsplatz, er ist zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden. Sie übernimmt Aufgaben in der täglichen Pferdeversorgung wie Ausmisten, das Führen der Tiere, ihre Begleitung sowie die Unterstützung im Training. Über die Jahre hat sie sich Schritt für Schritt hineingearbeitet und ist heute aus dem Alltag dort nicht mehr wegzudenken.

Doch so sicher ihr Platz heute wirkt, ist er dennoch nicht selbstverständlich. Der Arbeitsplatz bei Horsense ist eng mit Förderungen und Spenden verbunden, was eine langfristige Absicherung nicht selbstverständlich macht. Trainerin Denise Kolbitsch spricht das offen an: „Für den gemeinnützigen Betrieb ist jede Unterstützung von großer Bedeutung. Jede Spende hilft dabei, solche Arbeitsplätze langfristig zu sichern und auch in Zukunft zu ermöglichen.“

Ihre Trainerin beschreibt sie als mutig und selbstständig, als jemanden, der gelernt hat, für sich selbst einzustehen. Denn Marias Weg war nicht immer klar vorgezeichnet. Nach einer Ausbildung im Gastronomiebereich merkt sie, dass dieser Weg nicht zu ihr passt. Sie trifft eine Entscheidung und geht den Weg weiter, der sie wirklich erfüllt: die Arbeit mit Tieren. So hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und genau darin ihren Platz gefunden.

Sie betont auch, dass gerade die Arbeit mit Pferden für Menschen mit Beeinträchtigung etwas ganz Besonderes ist. Pferde würden nicht bewerten oder vergleichen, sondern einfach auf das reagieren, was ihnen gegenübersteht. Genau darin entstehe oft etwas sehr Echtes geprägt von Ruhe, Vertrauen und einem Miteinander, das ohne viele Worte auskommt.

Ein besonderer Meilenstein wartet bereits auf Maria. Bei den kommenden Sommerspielen in Wien geht sie in Dressur und Working Trail an den Start. Sie trainiert fleißig, mit viel Herz und noch mehr Freude. Denn am Ende ist es genau das, was sie antreibt: „Weil es mit dem Pferd einfach Spaß macht.“

Heute weiß sie, was sie kann und vor allem, wo sie hingehört. Bei den Pferden, in einem Umfeld, das ihr Vertrauen schenkt und in dem sie jeden Tag über sich hinauswächst. Darin liegt die Stärke ihrer Geschichte: dass sie ihren eigenen Platz gefunden hat und ihn mit Selbstvertrauen und Freude ausfüllt.

Text: Maria Bonaccorso