WAS UNS BEWEGT, Teil 10: Im Alter von 4 Jahren wurden bei Laila Bachtiar eine Verhaltensstörung und Autismus diagnostiziert. Trotz dieser schon frühkindlichen Beeinträchtigungen nahmen der Sport sowie die Kunst ein zentrales Thema in ihrer Entwicklung ein. Hier fand sie ihren geschützten Raum, um ihre Kreativität und der sportlichen Bewegung Ausdruck zu verleihen.

Laila wurde am 31. August 1971 in eine Musikerfamilie geboren. Ihre Mutter Alexandra war bis zu ihrer Pensionierung zweite Solochellistin des ORF Symphonieorchesters. Ihr Vater, der afghanische Wurzeln besitzt, studierte Gesang, Trompete und Klavier. Ihre Mutter ist bis heute die wichtigste Person in Lailas Leben. Schon in jungen Jahren ermöglichte sie Laila, sich sowohl künstlerisch als auch sportlich zu betätigen. Jedoch musste sie sehr viele Steine aus dem Weg räumen, um dies zu ermöglichen.
Durch den Besuch der Sonderschulen wie dem Clara-Fey-Institut sowie Am Himmel in Kobenzl wurde ihr künstlerisches Talent gefördert. Dieses blieb nicht lange unentdeckt und so wurde Künstler Ernst Fuchs auf Laila aufmerksam, ebenso wie die Ateliergemeinschaft „Die Schlumper“ in Hamburg. Mit dem Beginn der 1990er Jahre besuchte Laila wöchentlich das „Haus der Künstler“ in Gugging. Hier wurde sie als erste „Artist in Residence“ in ihrer Tätigkeit als Künstlerin entscheidend unterstützt. Das Besondere daran war, dass Laila als erste Frau hier ihre Anerkennung und Akzeptanz fand. Diese Anerkennung erfuhren Lailas Bilder auch international. So konnte sie ihre Werke in namhaften Galerien in Paris, Brüssel, Rotterdam, Bern, Kitzbühel, Bregenz, Krems und Wien ausstellen. Der wichtigste Ort jedoch war und ist für Laila Gugging geworden.
Neben ihrer Mutter sind zwei weitere Menschen in Lailas sportlicher Karriere sehr wichtig. Martina Pacher und Renate Piller-Priestach wussten um die Sensibilisierung bei Menschen mit Autismus und ihrem Verhalten und konnten so Laila in ihrer sportlichen Tätigkeit sehr gut unterstützen. Sportlich konnte sie alles ausprobieren, ob Radfahren, Skifahren, Schwimmen und Schnorcheln, Segelboot fahren – egal in welche Richtung es ging, Laila war und ist immer mit vollem Eifer dabei.
1993 nahm sie an ihren ersten Special Olympics World Games in Schladming teil. Lailas Mutter war zum Zeitpunkt der Spiele beruflich verhindert und konnte so die erste Medaille ihrer Tochter nur vor dem Fernseher miterleben. Umso mehr freute sie sich unter Tränen über diesen Erfolg und es folgten viele weitere Medaillen und Topplatzierungen bei den verschiedensten Sommer- und Winterspielen von Special Olympics Österreich.
Einmal in der Woche nimmt Laila, die seit 2024 in der Sozialeinrichtung St. Martin in Klosterneuburg lebt, am Klettertraining des Gebirgsvereins teil. Sie freut sich schon sehr auf die Nationalen Sommerspielen in Wien. Ihre Mutter wird sie natürlich begleiten und ihr beim Klettern begeistert zusehen.
Text: Thomas Werchota