WAS UNS BEWEGT, Teil 4: Ein Leben voller Herausforderungen, Mut und beeindruckender Erfolge: Barbara Leitgeb ist seit vielen Jahren Athletin bei Special Olympics und zeigt mit ihrer Geschichte, was mit Ehrgeiz, Unterstützung und Leidenschaft möglich ist. In unserem neuen Porträt erzählt sie von ihrem Weg, ihren sportlichen Erfolgen und davon, warum Aufgeben für sie keine Option ist.
Barbara Leitgeb, geboren am 13. Juli 1971, ist seit 1998 aktive Teilnehmerin bei Special Olympics Österreich. Sie kam mit einer Fehlstellung der Hüften sowie einem Gendefekt zur Welt, der sogenannten Chromosomalen Aberration F. 31.3. Dabei handelt es sich um eine bipolare affektive Störung, die Stimmung und Aktivitätsniveau beeinflussen kann.
Barbara besuchte zehn Jahre lang die Clarafey Sonderschule & Internat, da bei ihr eine Minderbegabung festgestellt wurde. Danach folgten zwei Jahre in der Hauswirtschaftsschule für lernschwache Kinder. Großen Halt fand Barbara von Geburt an in ihrer Familie, sowie bei Freunden und Bekannten. Ihre Mutter Elfriede sorgte schon von Kindheitsbeinen an dafür, dass ihre Tochter ein normales Leben führen konnte. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hubert, der 15 Monate nach ihr auf die Welt gekommen ist, wuchs Barbara in einem geschützten und liebevollen Zuhause auf.
Ihre sportliche Karriere hat sie wohl ihrem Orthopäden aus ihren Kindheitstagen zu verdanken. Dieser gab Barbaras Mutter zu verstehen, sie möge schwimmen gehen, denn eine Regulation der Hüften sei nicht mehr möglich. Das Schwimmen und die ganzheitliche Bewegung im Wasser würden dem Bewegungsapparat jedoch guttun. Zugute kam Barbara hier auch ein eigener Sportlehrer in der Clarafey Sonderschule.
Nach Beendigung der Hauswirtschaftsschule übersiedelte Barbara in die Wohngemeinschaft Lanzendorf. Hier wurde die Basis ihrer so einzigartigen sportlichen Karriere bei Special Olympics Österreich gelegt. Denn seit 1998 ist sie aktive Teilnehmerin.
Seit 2006 ist Barbara in der betreuten Wohngemeinschaft „Rettet das Kind“ in Eisenstadt. Diese Gemeinschaft bietet ihr nicht nur ein Zuhause, sondern auch die notwendige Unterstützung, um ihre sportlichen Träume zu verfolgen. Denn Barbara fühlt sich in Eisenstadt sehr wohl und kann sich dadurch konzentriert und in Ruhe auf die Trainings und Wettkämpfe vorbereiten.
Mit großer Leidenschaft und Entschlossenheit engagiert sie sich in verschiedenen Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik und Langlaufen. Mutter Elfriede ist zugleich ihre Langlauftrainerin. Darüber hinaus kann Barbara in der Förderwerkstätte in Walbersdorf ihre Kreativität ausleben – besonders gerne widmet sie sich dem Sticken.
Aufwärmen ist für Barbara das Wichtigste vor jedem Training oder Wettkampf. Sie bereitet sich akribisch vor und dehnt ihre Muskeln, um gute Leistungen zu ermöglichen. Gerade ihr Ehrgeiz und ihre Resilienz, ihr Talent und ihre Vorbereitung und die wöchentlichen Trainings, sind Garant dafür, dass sie bei den Wettkämpfen von Special Olympics sowohl national als auch international Erfolge erzielen konnte.
Dies zeigt sich auch in ihrer beeindruckenden Medaillen- und Pokalsammlung. Bei den World Winter Games in Nagano 2005 gewann Barbara die Goldmedaille über 50 Meter Langlauf. Bei den World Winter Games in Pyeongchang 2013 holte sie Bronze über die 500 Meter Langlauf und belegte und den 7. Platz über 1.000 Meter.
Auch bei den verschiedenen nationalen Bewerben in Österreich ist Barbara regelmäßig vertreten, wie etwa bei den Lungauer Langlauftagen, bei denen sie die einzige Burgenländerin ist – was sie ganz besonders stolz macht. Ebenso startete sie bei den Nationalen Winterspielen in Schladming/Ramsau, bei der Schwimm- und Leichtathletik-Meisterschaft in Eisenstadt sowie dem Eisenstadt-Lauf.
So oft wie möglich ist ihre Mutter Elfriede bei den Wettkämpfen dabei. Die enge Bindung zu ihrer Mutter und die spürbare Unterstützung geben Barbara Geborgenheit und haben für sie eine enorme Bedeutung, weiterhin ihre großen Ziele zu verfolgen. Auch die betreute Wohngemeinschaft „Rettet das Kind“ in Eisenstadt spielt dabei eine wichtige Rolle. Hier tragen die Betreuer:innen tagtäglich dazu bei, dass Barbara jeden Mittwoch und Freitag zum Schwimmen und zur Leichtathletik gebracht wird. Zusätzlich sind die Betreuer:innen bei jedem Training und Wettkampf fast genauso motiviert wie Barbara selbst, stehen an der Seitenlinie und feuern alle Sportler:innen an.
Gemeinsame Ausflüge innerhalb Österreichs oder Urlaube wie in Tunesien, Ägypten oder Bulgarien sorgen für eine willkommene Abwechslung im Alltag der Wohngemeinschaft. Seit rund 20 Jahren hat Barbara hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Im Interview betont sie immer wieder, wie glücklich und dankbar sie für die Unterstützung ist und dafür, dass sie ihre sportlichen Ziele verfolgen kann.
Besonders freut sie sich auf die kommenden Nationalen Spiele im Juni in Wien. Es sind die großen Veranstaltungen, wo viele Sportler:innen und Sportler aus allen Bundesländern zusammenkommen, die Barbara besonders motivieren, um ihre Leistungsfähigkeit abrufen zu können. Sie ist ein großes Vorbild für viele Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Ihr Wille und Leidenschaft inspirieren viele, ebenfalls aktiv zu werden. Ihr Ehrgeiz beim Training zeigt, dass der Sport keine Grenzen hat und man sich immer wieder in den Wettkämpfen beweisen kann, was man alles erreichen kann.
Barbaras ganze Kraft wurde 2024 benötigt, um die Diagnose Brustkrebs zu verarbeiten. Sie ließ sich jedoch nicht unterkriegen und war trotz dieser enormen Herausforderung, die diese Erkrankung mit sich brachte, immer positiv und optimistisch. Trotz der belastenden Diagnose verlor sie nie den Glauben an den Sport und noch wichtiger: nie den Glauben daran, wieder gesund zu werden.
Diesen Kampf hat Barbara gewonnen – sie hat den Krebs besiegt. Auch ein Punkt, warum ihr eine große Ehre zuteilwurde: Für ihre besonderen und außergewöhnlichen Erfolge wurde sie mit dem „Special Olympics Burgenland Award 2024“ ausgezeichnet.
Barbaras Teilnahme an den Special Olympics repräsentiert nicht nur ihre persönlichen Leistungen, sondern auch die bedeutende Botschaft für Inklusion und Solidarität im Sport. Sie ermutigt andere, trotz aller Widrigkeiten weiterzukämpfen und ihre Träume zu verwirklichen. Barbara ist ein leuchtendes Beispiel für Stärke, Entschlossenheit und Lebensfreude und bleibt eine geschätzte Persönlichkeit innerhalb unserer Gemeinschaft.
Im Interview nennt Barbara zwei Leitsätze, die ihr Leben prägen: „Ich möchte mich auf mich und den Sport konzentrieren“ und „I bin so, wie I bin“.
Text: Thomas Werchota





