WAS UNS BEWEGT, Teil 15: Wenn Nicholas Berger über Sport spricht, hört man sofort, wie wichtig er für sein Leben ist. Nicht Medaillen, Platzierungen oder Siege stehen dabei im Mittelpunkt, sondern etwas viel Wertvolleres: Gemeinschaft, Fairness und die Überzeugung, niemals aufzugeben.

Der 39-Jährige, halb Österreicher, halb Franzose, lebt seit 2006 mit einer bipolaren affektiven Störung. Herausforderungen gehören für ihn zum Alltag. Doch wer Nicholas begegnet, merkt schnell, dass er sich nicht über seine Diagnose definiert. Viel lieber spricht er über Fußball, Tischtennis, Floorball oder Beachvolleyball – Sportarten, die ihn seit seiner Kindheit begleiten.
Schon als Achtjähriger spielte er mit seinem Großvater die ersten Ballwechsel. Wenig später entdeckte er Tennis für sich. Seitdem ist Bewegung ein fester Bestandteil seines Lebens. Heute trainiert er regelmäßig, steht als Mittelfeldspieler auf dem Fußballplatz, kämpft an der Tischtennisplatte um jeden Punkt und verbringt viele Stunden auf dem Beachvolleyballfeld. Sport ist für ihn weit mehr als ein Hobby. Er gibt ihm Struktur, Selbstvertrauen und die Möglichkeit, immer wieder über sich hinauszuwachsen.
Besonders stolz ist Nicholas auf einen Moment beim Tischtennis, der viel über seinen Charakter verrät. In einem Match lag er bereits zwei Sätze zurück. Viele hätten aufgegeben. Nicholas nicht. Er kämpfte sich zurück, gewann Satz für Satz und schaffte noch den Ausgleich. Für ihn war das der Beweis, dass ein Spiel erst vorbei ist, wenn der letzte Punkt gespielt wurde. Genau diese Haltung prägt ihn bis heute.
Auch abseits des Sports verfolgt Nicholas seine Ziele mit großer Beharrlichkeit. Derzeit absolviert er eine Kochlehre und arbeitet bei Pro Mente in einer Kantine, in der täglich für zahlreiche Menschen gekocht wird. Die Arbeit in der Küche gefällt ihm, dennoch träumt er davon, eines Tages einen Beruf auszuüben, der ihn vollkommen erfüllt. Besonders interessieren ihn der Tourismusbereich und die Arbeit mit Menschen. Nicholas gehört zu den Menschen, die sich Gedanken über ihre Zukunft machen und den Mut haben, von einem Leben zu träumen, das ihren eigenen Vorstellungen entspricht.
Was ihn auf seinem Weg trägt, sind vor allem die Menschen an seiner Seite. Im Sport sind es seine Trainer Jürgen Horvath und Marcel Fabitsch, die ihn unterstützen, motivieren und weit mehr als nur sportliche Begleiter sind. Auch privat erfährt Nicholas viel Rückhalt. Seine Partnerin spielt eine besondere Rolle in seinem Leben. Gemeinsam verbringen sie Zeit auf dem Tennisplatz – einem Sport, den Nicholas ihr sogar selbst beigebracht hat. Diese gemeinsamen Momente bedeuten ihm viel und zeigen, wie sehr Sport Menschen verbinden kann.
Bei den Special Olympics Sommerspielen möchte Nicholas sein Bestes geben. Eine Platzierung unter den Top Fünf wäre für ihn bereits ein großer Erfolg. Doch wer ihm zuhört, erkennt schnell: Es geht ihm nicht nur ums Gewinnen. Ihm ist wichtig, dass die Ballwechsel schön sind, Fair Play gelebt wird und alle mit Respekt behandelt werden.
Vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Nicholas Berger zeigt, dass Erfolg nicht nur auf dem Podest entsteht. Erfolg bedeutet auch, weiterzumachen, an sich zu glauben und anderen Menschen mit Offenheit zu begegnen. Seine Botschaft ist einfach und kraftvoll zugleich: Niemand sollte aufgrund einer Beeinträchtigung unterschätzt werden. Denn hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte – und manchmal auch ein Kämpfer, der niemals aufgibt.
Text: Letizia Majstorovic




